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Dorsigny (siegelt den Brief und gibt ihn an Champagne). Hier ist der Brief. Richt' es nun ein, wie du willst! Dir ueberlass' ich mich.

Champagne. Sie sollen mit mir zufrieden sein-In wenig Augenblicken werde ich damit als Courier von Strassburg ankommen, gespornt und gestiefelt, triefend von Schweiss.-Sie, gnaediger Herr, halten sich wacker.-Muth, Dreistigkeit, Unverschaemtheit, wenn' s noethig ist. -Den Onkel gespielt, die Tante angefuehrt, die Nichte geheirathet und, wenn alles vorbei ist, den Beutel gezogen und den redlichen Diener gut bezahlt, der Ihnen zu allen diesen Herrlichkeiten verholfen hat. (Ab.)

Fr. v. Mirville. Da kommt die Tante. Sie wird dich fuer den Onkel ansehen. Thu', als wenn du nothwendig mit ihr zu reden haettest, und schick' mich weg.

Dorsigny. Aber was werd' ich ihr denn sagen?

Fr. v. Mirville. Alles, was ein galanter Mann seiner Frau nur Artiges sagen kann.

Fuenfter Auftritt.

Frau von Mirville. Frau von Dorsigny. Franz von Dorsigny.

Fr. v. Mirville. kommen Sie doch, liebe Tante! Geschwind! der Onkel ist angekommen.

Fr. v. Dorsigny. Wie? Was? Mein Mann?-Ja wahrhaftig, da ist er! -Herzlich willkommen, lieber Dorsigny-So bald erwartete ich Sie nicht-Nun! Sie haben doch eine glueckliche Reise gehabt?-Aber wie so allein? Wo sind Ihre Leute? Ich hoerte doch Ihre Kutsche nicht-Nun wahrhaftig-ich besinne mich kaum-ich zittre vor Ueberraschung und Freude-Fr. v. Mirville (heimlich zu ihrem Bruder). Nun, so rede doch! Antworte frisch weg!

Dorsigny. Weil ich nur auf einen kurzen Besuch hier bin, so komm' ich allein und in einer Miethkutsche-Was aber die Reise betrifft, liebe Frau-die Reise-ach! die ist nicht die gluecklichste gewesen.

Fr. v. Dorsigny. Sie erschrecken mich!-Es ist Ihnen doch kein Unglueck zugestossen?

Dorsigny. Nicht eben mir! mir nicht!-Aber diese Heirath-(Zu Frau von Mirville.) Liebe Nichte, ich habe mit der Tante-Fr. v. Mirville. Ich will nicht stoeren, mein Onkel. (Ab.)

Sechster Auftritt.

Frau von Dorsigny. Franz von Dorsigny.

Fr. v. Dorsigny. Nun, lieber Mann! diese Heirath-Dorsigny. Aus dieser Heirath wird-nichts.

Fr. v. Dorsigny. Wie? Haben wir nicht das Wort des Vaters?

Dorsigny. Freilich wohl! Aber der Sohn kann unsere Tochter nicht heirathen.

Fr. v. Dorsigny. So? Und warum denn nicht?

Dorsigny (mit starkem Ton). Weil-weil er-todt ist.

Fr. v. Dorsigny. Mein Gott, welcher Zufall!

Dorsigny. Es ist ein rechter Jammer. Dieser junge Mann war, was die meisten jungen Leute sind, so ein kleiner Wuestling. Einen Abend bei einem Balle fiel's ihm ein, einem artigen huebschen Maedchen-den Hof zu machen; ein Nebenbuhler mischte sich drein und erlaubte sich beleidigende Scherze. Der junge Lormeuil, lebhaft, aufbrausend, wie man es mit zwanzig Jahren ist, nahm das uebel; zum Unglueck war er an einen Raufer von Profession gerathen, der sich nie schlaegt, ohne seinen Mann-zu toedten. Und diese boese Gewohnheit behielt auch jetzt die Oberhand ueber die Geschicklichkeit seines Gegners; der Sohn meines armen Freundes blieb auf dem Platz, mit drei toedtlichen-Stichen im Leibe.

Fr. v. Dorsigny. Barmherziger Himmel! Was muss der Vater dabei gelitten haben!

Dorsigny. Das koennen Sie denken! Und die Mutter!

Fr. v. Dorsigny. Wie? Die Mutter! Die ist ja im letzten Winter gestorben, so viel ich weiss.

Dorsigny. Diesen Winter-ganz recht! Mein armer Freund Lormeuil! Den Winter stirbt ihm seine Frau, und jetzt im Sommer muss er den Sohn in einem Duell verlieren!-Es ist mir auch schwer angekommen, ihn in seinem Schmerz zu verlassen! Aber der Dienst ist jetzt so scharf! Auf den zwanzigsten muessen alle Offiziere-beim Regiment sein! Heut ist der neunzehnte, und ich habe nur einen Sprung nach Paris gethan und muss schon heute Abend wieder-nach meiner Garnison zurueckreisen.

Fr. v. Dorsigny. Wie? So bald?

Dorsigny. Das ist einmal der Dienst! Was ist zu machen? Jetzt auf unsere Tochter zu kommen-Fr. v. Dorsigny. Das liebe Kind ist sehr niedergeschlagen und schwermuethig, seitdem Sie weg waren.

Dorsigny. Wissen Sie, was ich denke? Diese Partie, die wir ihr ausgesucht, war-nicht nach ihrem Geschmack.

Fr. v. Dorsigny. So? Wissen Sie?

Dorsigny. Ich weiss nichts-Aber sie ist fuenfzehn Jahre alt-Kann sie nicht fuer sich selbst schon gewaehlt haben, eh wir es fuer sie thaten?

Fr. v. Dorsigny. Ach Gott ja! Das begegnet alle Tage.

Dorsigny. Zwingen moechte ich ihre Neigung nicht gern.

Fr. v. Dorsigny. Bewahre uns Gott davor!

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Sophie.

Sophie (beim Anblick Dorsigny's stutzend). Ah! mein Vater-Fr. v. Dorsigny. Nun, was ist dir? Fuerchtest du dich, deinen Vater zu umarmen?

Dorsigny (nachdem er sie umarmt, fuer sich). Sie haben's doch gar gut, diese Vaeter! Alles umarmt sie!

Fr. v. Dorsigny. Du weisst wohl noch nicht,. Sophie, dass ein ungluecklicher Zufall deine Heirath getrennt hat?

Sophie. Welcher Zufall?

Fr. v. Dorsigny. Herr von Lormeuil ist todt.

Sophie. Mein Gott!

Dorsigny (hat sie mit den Augen fixiert). Ja, nun-was sagst du dazu, meine Sophie?

Sophie. Ich, mein Vater?-Ich beklage diesen ungluecklichen Mann von Herzen-aber ich kann es nicht anders als fuer ein Glueck ansehen, dass-dass sich der Tag verzoegert, der mich von Ihnen trennt.

Dorsigny. Aber, liebes Kind! wenn du gegen diese Heirath-etwas einzuwenden hattest, warum sagtest du uns nichts davon? Wir denken ja nicht daran, deine Neigung zwingen zu wollen.

Sophie. Das weiss ich, lieber Vater-aber die Schuechternheit-Dorsigny. Weg mit der Schuechternheit! Rede offen! Entdecke mir dein Herz.

Fr. v. Dorsigny. Ja, mein Kind! Hoere deinen Vater! Er meint es gut, er wird dir gewiss das Beste rathen.

Dorsigny. Du hasstest also diesen Lormeuil zum Voraus-recht herzlich?

Sophie. Das nicht-aber ich liebte ihn nicht.

Dorsigny. Und du moechtest Keinen heirathen, als den du wirklich liebst?

Sophie. Das ist wohl natuerlich.

Dorsigny. Du liebst also-einen Andern?

Sophie. Das habe ich nicht gesagt.

Dorsigny. Nun, nun, beinahe doch-Heraus mit der Sprache! Lass mich alles wissen.

Fr. v. Dorsigny. Fasse Muth, mein Kind! Vergiss, dass es dein Vater ist, mit dem du redest.

Dorsigny. Bilde dir ein, dass du mit deinem besten, deinem zaertlichsten Freunde spraechest-und Der, den du liebst. weiss er, dass er geliebt wird?

Sophie. Behuete der Himmel! Nein.

Dorsigny. Ist's noch ein junger Mensch?

Sophie. Ein sehr liebenswuerdiger junger Mann, und der mir darum doppelt werth ist, weil Jedermann findet, dass er Ihnen gleicht-ein Verwandter von uns, der unsern Namen fuehrt-Ach! Sie muessen ihn errathen.

Dorsigny. Noch nicht ganz, liebes Kind!

Fr. v. Dorsigny. Aber ich errathe ihn! Ich wette, es ist ihr Vetter, Franz Dorsigny.

Dorsigny. Nun, Sophie, du antwortest nichts?

Sophie. Billigen Sie meine Wahl?

Dorsigny (seine Freude unterdrueckend, fuer sich). Wir muessen den Vater spielen-Aber mein Kind-das muessen wir denn doch bedenken.

Sophie. Warum bedenken? Mein Vetter ist der beste, verstaendigste-Dorsigny. Der? Ein Schwindelkopf ist er, ein Wildfang, der in den zwei Jahren, dass er weg ist, nicht zweimal an seinen Onkel geschrieben hat.

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