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Дата написания1970-01-01
Язык книгиde
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Страница 4 из 22Vierter Auftritt
Lisidor. Pst! Pst! Mosjeu Johann. Kann der Schurke nicht näher kommen?
Johann. Pst, Herr Adrast! Ein Wort im Vertrauen.
Johann. Im Vertrauen, Herr Adrast.
Lisidor (welcher auf ihn zu geht). Nun? was willst du?
Johann (geht auf die andre Seite). Pst! Herr Adrast, nur ein
Wörtchen, ganz im Vertrauen!
Adrast. So pack dich her, und rede.
Lisidor. Rede! rede! Was kann der Schwiegersohn haben, das der
Schwiegervater nicht hören dürfte?
Johann. Herr Adrast! (Zieht ihn an dem Ärmel beiseite.)
Lisidor. Du Spitzbube, willst mich mit aller Gewalt vom Platze haben.
Rede nur, rede! ich gehe schon.
Johann. Oh! Sie sind gar zu höflich. Wenn Sie einen kleinen Augenblick dort in die Ecke treten wollen: so können Sie immer da bleiben.
Adrast. Bleiben Sie doch! ich bitte.
Lisidor. Nu! wenn ihr meint—(indem er auf sie zu kömmt).
Adrast. Nun sage, was willst du?
Johann (welcher sieht, daß ihm Lisidor wieder nahe steht). Nichts.
Johann. Nichts, gar nichts.
Lisidor. Das Wörtchen im Vertrauen, hast du es schon wieder vergessen?
Johann. Potz Stern! sind Sie da? Ich denke, Sie stehen dort im
Lisidor. Narre, der Winkel ist näher gerückt.
Johann. Daran hat er sehr unrecht getan.
Adrast. Halte mich nicht länger auf, und rede.
Johann. Herr Lisidor, mein Herr wird böse.
Adrast. Ich habe vor ihm nichts Geheimes: rede!
Johann. So habe ich auch nichts für Sie.
Lisidor. Galgendieb, ich muß dir nur deinen Willen tun.—Ich gehe auf meine Stube, Adrast: wenn Sie zu mir kommen wollen—
Adrast. Ich werde Ihnen gleich folgen.
Fünfter Auftritt
Adrast. Was hast du mir denn zu sagen? Ich wette, es ist eine
Kleinigkeit; und der Alte wird sich einbilden, daß es Halssachen sind.
Johann. Eine Kleinigkeit? Mit einem Worte, Herr Adrast, wir sind verloren. Und Sie konnten verlangen, daß ich es in Gegenwart des Lisidors sagen sollte?
Adrast. Verloren? Und wie denn? Erkläre dich.
Johann. Was ist da zu erklären? Kurz, wir sind verloren.—Aber so unvorsichtig hätte ich mir Sie doch nimmermehr eingebildet, daß Sie es sogar Ihren künftigen Schwiegervater wollten hören lassen—
Adrast. So laß mich es nur hören—
Johann. Wahrhaftig, er hätte die Lust auf einmal verlieren können, es jemals zu werden.—So ein Streich!
Adrast. Nun? was denn für ein Streich? Wie lange wirst du mich noch martern?
Johann. Ein ganz verdammter Streich.—Ja, ja! wenn der Bediente nicht oft behutsamer wäre, als der Herr: es würden artige Dinge herauskommen.
Adrast. Nichtswürdiger Schlingel—
Johann. Ho, ho! ist das mein Dank? Wenn ich es doch nur gesagt hätte, wie der Alte da war. Wir hätten wollen sehen! wir hätten wollen sehen—
Adrast. Daß dich dieser und jener—
Johann. Ha, ha! nach dem diesen und jenen wird nicht mehr gefragt.
Ich weiß doch wohl, daß Sie den Teufel meinen, und daß keiner ist.
Ich müßte wenig von Ihnen gelernt haben, wenn ich nicht der ganzen
Hölle ein Schnippchen schlagen wollte.
Adrast. Ich glaube, du spielst den Freigeist? Ein ehrlicher Mann möchte einen Ekel davor bekommen, wenn er sieht, daß es ein jeder Lumpenhund sein will.—Aber ich verbiete dir nunmehr, mir ein Wort zu sagen. Ich weiß doch, daß es nichts ist.
Johann. Ich sollte es Ihnen nicht sagen? Ich sollte Sie so in Ihr
Unglück rennen lassen? Das wollen wir sehen.
Adrast. Gehe mir aus den Augen!
Johann. Nur Geduld!—Sie erinnern sich doch wohl so ohngefähr, wie
Sie Ihre Sachen zu Hause gelassen haben?
Adrast. Ich mag nichts wissen.
Johann. Ich sage Ihnen ja auch noch nichts.—Sie erinnern sich doch wohl auch der Wechsel, die Sie an den Herrn Araspe vor Jahr und Tag ausstellten?
Adrast. Schweig, ich mag nichts davon hören.
Johann. Ohne Zweifel, weil Sie sie vergessen wollen? Wenn sie nur dadurch bezahlt würden.—Aber wissen Sie denn auch, daß sie verfallen sind?
Adrast. Ich weiß, daß du dich nicht darum zu bekümmern hast.
Johann. Auch das verbeiße ich.—Sie denken freilich: Weit davon, ist gut für den Schuß; und Herr Araspe hat eben nicht nötig, so sehr dahinterher zu sein. Aber, was meinen Sie, wenn ich den Herrn Araspe—
Johann. Jetzt den Augenblick vom Postwagen hätte steigen sehen?
Adrast. Was sagst du? Ich erstaune—
Johann. Das tat ich auch, als ich ihn sah.
Adrast. Du, Araspen gesehen? Araspen hier?
Johann. Mein Herr, ich habe mich auf den Fuß gesetzt, daß ich Ihre und meine Schuldner gleich auf den ersten Blick erkenne; ja ich rieche sie schon, wenn sie auch noch hundert Schritt von mir sind.
Adrast (nachdem er nachgedacht). Ich bin verloren!
Johann. Das war ja mein erstes Wort.
Adrast. Was ist anzufangen?
Johann. Das beste wird sein: wir packen auf, und ziehen weiter.
Adrast. Das ist unmöglich.
Johann. Nun so machen Sie sich gefaßt, zu bezahlen.
Adrast. Das kann ich nicht; die Summe ist zu groß.
Johann. Oh! ich sagte auch nur so.—Sie sinnen?
Adrast. Doch wer weiß auch, ob er ausdrücklich meinetwegen hergekommen ist. Er kann andre Geschäfte haben.
Johann. Je nu! so wird er das Geschäfte mit Ihnen so beiher treiben.
Wir sind doch immer geklatscht.
Adrast. Du hast recht.—Ich möchte rasend werden, wenn ich an alle die Streiche gedenke, die mir ein ungerechtes Schicksal zu spielen nicht aufhört.—Doch wider wen murre ich? Wider ein taubes Ohngefähr? Wider einen blinden Zufall, der uns ohne Absicht und ohne Vorsatz schwerfällt? Ha! nichtswürdiges Leben!—
Johann. Oh! lassen Sie mir das Leben ungeschimpft. So einer
Kleinigkeit wegen sich mit ihm zu überwerfen, das wäre was Gescheutes!
Adrast. So rate mir doch, wenn du es für eine Kleinigkeit ansiehst.
Johann. Fällt Ihnen im Ernste kein Mittel ein?—Bald werde ich Sie gar nicht mehr für den großen Geist halten, für den ich Sie doch immer gehalten habe. Fortgehen wollen Sie nicht; bezahlen können Sie nicht: was ist denn noch übrig?
Adrast. Mich ausklagen zu lassen.
Johann. O pfui! Worauf ich gleich zuerst fallen würde, wenn ich auch bezahlen könnte—
Adrast. Und was ist denn das?
Johann. Schwören Sie den Bettel ab.
Adrast (mit einer bittern Verachtung). Schurke!
Johann. Wie? Was bin ich? So einen brüderlichen Rat—
Adrast. Ja wohl ein brüderlicher Rat, den du nur deinen Brüdern,
Leuten deinesgleichen, geben solltest.
Johann. Sind Sie Adrast? Ich habe Sie wohl niemals über das Schwören spotten hören?
Adrast. Über das Schwören, als Schwören, nicht aber als eine bloße Beteurung seines Wortes. Diese muß einem ehrlichen Manne heilig sein, und wenn auch weder Gott noch Strafe ist. Ich würde mich ewig schämen, meine Unterschrift geleugnet zu haben, und ohne Verachtung meiner selbst, nie mehr meinen Namen schreiben können.
Johann. Aberglauben über Aberglauben. Zu einer Türe haben Sie ihn herausgejagt, und zu der andern lassen Sie ihn wieder herein.
Adrast. Schweig! ich mag dein lästerliches Geschwätze nicht anhören. Ich will Araspen aufsuchen. Ich will ihm Vorstellungen tun; ich will ihm von meiner Heirat sagen; ich will ihm Zinsen über Zinsen versprechen.—Ich treffe ihn doch wohl noch in dem Posthause?
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Ich will ihm Vorstellungen tun; ich will ihm von meiner Heirat sagen; ich will ihm Zinsen über Zinsen versprechen.—Ich treffe ihn doch wohl noch in dem Posthause?"}],"toc":[{"id":"content0:0:1","label":"Gotthold Ephraim Lessing Der Freigeist","page":1,"pageUrl":"/books/2UZloS1R#reader-content"},{"id":"content0:1:1","label":"Personen:","page":1,"pageUrl":"/books/2UZloS1R#reader-content"},{"id":"content0:13:1","label":"Erster Aufzug","page":1,"pageUrl":"/books/2UZloS1R#reader-content"},{"id":"content0:14:1","label":"Erster Auftritt","page":1,"pageUrl":"/books/2UZloS1R#reader-content"},{"id":"content1:0:2","label":"Zweiter Auftritt","page":2,"pageUrl":"/books/2UZloS1R?page=2#reader-content"},{"id":"content1:2:3","label":"Dritter Auftritt","page":3,"pageUrl":"/books/2UZloS1R?page=3#reader-content"},{"id":"content1:37:4","label":"Vierter Auftritt","page":4,"pageUrl":"/books/2UZloS1R?page=4#reader-content"},{"id":"content1:75:4","label":"Fünfter 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