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Дата написания1970-01-01
Язык книгиde
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Страница 2 из 5Was ist das?—Billigest du denn Basedows Institut nicht?
Ich nicht? Wer kann es mehr billigen?
So wirst du ihm ja diese Unterstützung nicht misgönnen?
Misgönnen?—Wer kann ihm alles Gutes mehr gönnen als ich?
Nun dann!—Du wirst mir unbegreiflich.
Ich glaube wohl. Dazu habe ich unrecht.—Denn auch die Freimäurer können etwas tun, was sie nicht als Freimäurer tun.
Und soll das an allen auch ihren übrigen guten taten gelten?
Vielleicht!—Vielleicht, dass alle die guten Taten, die du mir da genammt hast, um mich eines scholastischen Ausdruckes der Kürze wegen zu bedienen, nur ihre Taten ad extra sind.
Nur ihre Taten, die dem Volke in die Augen fallen;—nur Taten, die sie bloss deswegen tun, damit sie dem Volk in die Augen fallen sollen.
Um Achtung und Duldung zu geniessen?
Aber ihre wahre Taten denn?—Du schweigst?
Wenn ich dir schon geantwortet hätte?—Ihre wahre Taten sind ihr
Ha! ha! Also auch nicht erklärbar durch Worte?
Nicht wohl!—Nur so viel kann und darf ich dir sagen: die wahren Taten die Freimäurer sind so gross, so weit aussehend, dass ganze Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie getan! Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was noch in der Welt werden wird—merke wohl, in der Welt.
O geh! Du hast mich zum besten.
Wahrlich nicht—Aber sieh! dort fliegt ein Schmetterling, den ich haben muss. Es ist der von der Wolfmichsraupe.—Geschwind sage ich dir nur noch: die wahren Taten der Freimäurer zielen dahin, um grösstenteils alles, was man gemeinlich gute Taten zu nennen pflegt, entbehrlich zu machen.
Und sind doch auch gute Taten?
Es kann keine bessere geben.—Denke einen Augenblick darüber nach. Ich bin gleich wieder bei dir.
Gute Taten, welche darauf zielen, gute taten entbehrlich zu machen?– Das ist ein Rätsel. Und über ein Rätsel denke ich nicht nach.—Lieber lege ich mich indes unter den Baum und sehe den Ameisen zu.
ZWEITES GESPRÄCH
Er lockte mich von Strauch bis an den Bach.—Auf einmal war er herüber.
Ja, ja. Es gibt solche Locker!
Ueber was? Ueber deine Rätsel?—Ich werde ihn auch nicht fangen, den schönen Schmetterling! Darum soll er mir aber auch weiter keine Mühe machen.—Einmal von der Freimäurern mit dir gesprochen und nie wieder. Denn ich sehe ja wohl; du bist wie sie alle.
Wie sie alle? Das sagen diese alle nicht.
Nicht? So gibt es ja wohl auch Ketzer unter den Freimäurern? Und du wärest einer.—Doch alle Ketzer haben mit den Rechtgläubingen immer noch etwas gemein. Und davon sprach ich.
Rechtgläubinge oder ketzerische Freimäurer—sie alle spielen mit Worten und lassen sich fragen und antworten, ohne zu antworten.
Meinst du?—Nun wohl, so lass uns von etwas andern reden. Denn einmal hast du mich aus dem behaglichen Zustande des stummen Staunens gerissen.
Nichts ist leichter, als dich in diesen Zustand wieder zu versetzen.– Lass dich nur hier bei mir nieder und sieh!
Das Leben und Weben auf und in und um diesen Ameisenhaufen. Welche Geschäftigkeit und doch welche Ordnung! Alles trägt und schleppt und schiebt; und keines ist dem andern hinderlich. Sieh nur? Sie helfen einander sogar.
Die Ameisen leben in Gesellschaft wie die Bienen.
Und in einer noch wunderbarern Gesellschaft als die die Bienen. Denn sie haben niemand unter sich, der sie zusammenhält und regieret.
Ordnung muss also doch auch ohne Regierung bestehen können.
Wenn jedes einzelne sich selbst zu regieren weiss: warum nicht?
Ob es wohl auch einmal mit den Menschen dahin kommen wird?
Steh auf und lass uns gehen. Denn sie werden dich bekriechen, die Ameisen; und eben fällt auch mir etwas bei, was ich bei dieser Gelegenheit dich doch fragen muss.—Iche kenne deine Gesinnungen darüber noch gar nicht.
Ueber die bürgerliche Gesellschaft des Menschen überhaupt.—Wofür hälst du sie?
Ohnestreitig.—Aber hälst du sie für Zweck oder Mittel?
Glaubst du, dass die Menschen für die Staaten erschaffen werden? Oder dass die Staaten für die Menschen sind?
Jenes scheinen einige behaupten zu wollen. Dieses aber mag wohl das Wahrere sein.
So denke ich auch.—Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigung jeder einzelme Mensch seinen Teil von Glückseligkeit desto besser und sichrer geniessen könne.—Das Totale der einzeln Glückseligkeiten aller Glieder ist die Glückseligkeit des Staats, bei welcher auch noch so wenig einzelme Glieder leiden und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannei. Anders nichts!
Ich möchte das nicht so laut sagen.
Eine Wahrheit, die jeder nach seiner eignen Lage beurteilet, kann leicht gemissbraucht werden.
Weisst du, Freund, dass du schon ein halber Freimäurer bist?
Du. Denn du erkennst ja schon Wahrheiten, die man besser verschweigt.
Der Weise kann nicht sagen, was er besser verschweigt.
Nun, wie du wilst!—Lass uns auf die Freimäurer nicht wieder zurückkommen. Ich mag ja von ihnen weiter nichts wissen.
Verzeih!—Du siehst wenigstens meine Bereitwilligkeit, dir mehr von ihnen zu sagen.
Du spottest!—Gut! das bürgerliche Leben des Menschen, alle Staatsverfassungen sind nichts als Mittel zur menschlichen Glückseligkeit. Was weiter?
Nichts als Mittel! Und Mittel menschlicher Erfindung; ob ich gleich nicht leugnen will, dass die Natur alles so eingerichtet, dass der Mensch, sehr bald auf diese Erfindung geraten müssen.
Nun? wo bleibst du denn? Und hast den Schmeterling doch nicht?
Dieses hat denn auch gemacht, dass einige die bürgerliche Gesellschaft für Zweck der Natur gehalten. Weil alles, unsere Leidenschaften und unsere Bedürfnisse, alles darauf führe, sei sie folglich das letzte, worauf die Natur gehe. So schlossen sie. Als ob die Natur nicht auch die Mittel zweckmässig hervorbringen müssen! Als ob die Natur mehr die Glückseligkeit eines abgezogenen Begriffs—wie Staat,, Vaterland und dergleichen sind—als die Glückseligkeit jedes wirklichen einzeln Wesens zur Absicht gehabt hätte!
Sehr gut! Du kömmst mir auf dem rechten Wege entgegen. Denn nun sage mir; wenn die Staatsverfassungen Mittel, Mittel menschlicher Erfindungen sind; sollten sie allein von dem Schicksale menschlicher Mittel ausgenommen sein?
Was nennst du Schicksale menschlicher Mittel?
Das, was unzertrennlich mit menschlichen Mitteln verbunden ist; was sie von göttlichen unfehlbaren Mitteln unterscheidet.
Das sie nicht unfehlbar sind. Dass sie ihrer Absicht nicht allein öfters nicht entsprechen, sondern auch wohl gerade das gegenteil davon bewirken.
Ein Beispiel! wenn dir eines einfällt
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Denn nun sage mir; wenn die Staatsverfassungen Mittel, Mittel menschlicher Erfindungen sind; sollten sie allein von dem Schicksale menschlicher Mittel ausgenommen sein?"},{"id":"content1:89","kind":"paragraph","text":"ERNST"},{"id":"content1:90","kind":"paragraph","text":"Was nennst du Schicksale menschlicher Mittel?"},{"id":"content1:91","kind":"paragraph","text":"FALK"},{"id":"content1:92","kind":"paragraph","text":"Das, was unzertrennlich mit menschlichen Mitteln verbunden ist; was sie von göttlichen unfehlbaren Mitteln unterscheidet."},{"id":"content1:93","kind":"paragraph","text":"ERNST"},{"id":"content1:94","kind":"paragraph","text":"Was ist das?"},{"id":"content1:95","kind":"paragraph","text":"FALK"},{"id":"content1:96","kind":"paragraph","text":"Das sie nicht unfehlbar sind. Dass sie ihrer Absicht nicht allein öfters nicht entsprechen, sondern auch wohl gerade das gegenteil davon bewirken."},{"id":"content1:97","kind":"paragraph","text":"ERNST"},{"id":"content1:98","kind":"paragraph","text":"Ein Beispiel! wenn dir eines einfällt"},{"id":"content1:99","kind":"paragraph","text":"FALK"}],"toc":[{"id":"content0:0:1","label":"Gotthold Ephraim Lessing Gespräche für Freimaurer","page":1,"pageUrl":"/books/2XkMKpGM#reader-content"},{"id":"content0:1:1","label":"ERSTES GESPRÄCH","page":1,"pageUrl":"/books/2XkMKpGM#reader-content"},{"id":"content1:0:2","label":"ZWEITES GESPRÄCH","page":2,"pageUrl":"/books/2XkMKpGM?page=2#reader-content"},{"id":"content2:0:4","label":"DRITTES GESPRÄCH","page":4,"pageUrl":"/books/2XkMKpGM?page=4#reader-content"}]},"similarBooks":[{"idCatalog":760687,"shortId":"3mdayOj7","title":"The Village Pulpit, Volume II. 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