Удобнее читать в приложении
AI-разбор доступен после входа
Суть книги, пересказ, главный конфликт, ключевые идеи, вывод, кому полезна, главные темы, персонажи и цитаты можно получить после входа в BookRa.
auto_awesomeПолучить AI-разборО книге
Дата написания1970-01-01
Язык книгиde
Возрастное ограничение0+
Читать онлайн
Страница 1 из 34Annotation
«Die Leiden des jungen Werthers» lautet der Titel eines von Johann Wolfgang Goethe verfassten Briefromans, in dem der junge Rechtspraktikant Werther bis zu seinem Freitod über seine unglückliche Liaison mit der anderweitig verlobten „Lotte“ berichtet.
Der Roman Die Leiden des jungen Werthers (1774) war nach dem Sturm und Drang-Drama Götz von Berlichingen (1773) Goethes zweiter großer Erfolg. Die Handlung trägt autobiographische Züge. Goethe gestaltet hier literarisch-frei seine platonische Beziehung zu der bereits verlobten Charlotte Buff. In sie hatte er sich verliebt, als er von Mai bis September 1772 Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar war. Das Motiv für den tragischen Ausgang dieser Liebe, die Selbsttötung Werthers, lieferte Goethe der Suizid seines Freundes Karl Wilhelm Jerusalem, Gesandtschaftssekretär in Wetzlar. Der hatte sich in eine verheiratete Frau verliebt, die für ihn unerreichbar blieb. Die literarische Figur der Lotte im Roman trägt auch Züge von Maximiliane von la Roche, einer weiteren Bekanntschaft des jungen Goethe aus der Entstehungszeit des Romans. Von ihr stammen die schwarzen Augen Lottes. Charlotte Buff hatte blaue Augen.
Die Erstausgabe erschien im Herbst 1774 zur Leipziger Buchmesse und wurde gleich zum Bestseller. Eine überarbeitete Fassung folgte 1787. Der Roman ließ Goethe 1774 gleichsam über Nacht in Deutschland berühmt werden. Kein weiteres Buch Goethes wurde von so vielen seiner Zeitgenossen gelesen. Der Briefroman ist dem Sturm und Drang zuzuordnen.
Текст взят с сайта Ильи Франка (http://www.frank.deutschesprache.ru)
Johann Wolfgang Goethe Die Leiden des jungen Werther
Erstes Buch
Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt «ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch — bin ich ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab «ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab «ich nicht — o was ist der Mensch, daß er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht — Gott weiß, warum sie so gemacht sind! — mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen.
Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, daß ich ihr Geschäft bestens betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde. Ich habe meine Tante gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen. Ich erklärte ihr meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre, alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten — kurz, ich mag jetzt nichts davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen. Und ich habe, mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit. Wenigstens sind die beiden letzteren gewiß seltener.
Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.
Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M., einen Garten auf einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen und die lieblichsten Täler bilden. Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, daß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier genießen wollte. Schon manche Träne hab «ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint, das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist. Bald werde ich Herr vom Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird sich nicht übel dabei befinden.
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten — dann sehne ich mich oft und denke: ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes! — mein Freund — aber ich gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen.
Вам также может понравиться
{"page":{"canonicalUrl":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","pageTitle":"Die Leiden des jungen Werther (Иоганн Вольфганг Гёте) — полный текст, краткое содержание, анализ и герои","metaDescription":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","headingTitle":"«Die Leiden des jungen Werther». Читать бесплатно онлайн","headingSubtitle":"Иоганн Вольфганг Гёте","structuredData":[{"@context":"https://schema.org","@type":"BreadcrumbList","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"BookRa","item":"https://bookra.app/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"зарубежная классика","item":"https://bookra.app/genre/5214"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Die Leiden des jungen Werther","item":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T"}]},{"@context":"https://schema.org","@type":"WebPage","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","name":"«Die Leiden des jungen Werther». Читать бесплатно онлайн","description":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","breadcrumb":{"@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#breadcrumb"},"mainEntity":{"@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#work"},"primaryImageOfPage":{"@type":"ImageObject","url":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp"}},{"@context":"https://schema.org","@type":"Book","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#work","name":"Die Leiden des jungen Werther","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","description":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","image":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp","inLanguage":"de","genre":["зарубежная классика"],"author":[{"@type":"Person","@id":"https://bookra.app/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0#person","name":"Иоганн Вольфганг Гёте","url":"https://bookra.app/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","sameAs":["https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D1%91%D1%82%D0%B5%2C_%D0%98%D0%BE%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%BD_%D0%92%D0%BE%D0%BB%D1%8C%D1%84%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%B3_%D1%84%D0%BE%D0%BD","https://www.wikidata.org/wiki/Q5879"]}],"about":[{"@type":"Thing","name":"зарубежная классика"},{"@type":"Thing","name":"чтение онлайн"},{"@type":"Thing","name":"саммари"},{"@type":"Thing","name":"AI-разбор"},{"@type":"Thing","name":"персонажи"},{"@type":"Thing","name":"цитаты"}],"workExample":{"@type":"Book","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#edition","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","bookFormat":"https://schema.org/EBook","inLanguage":"de","isAccessibleForFree":true,"potentialAction":{"@type":"ReadAction","name":"Читать бесплатно онлайн «Die Leiden des jungen Werther»","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","actionPlatform":["https://schema.org/DesktopWebPlatform"]},"expectsAcceptanceOf":{"@type":"Offer","category":"nologinrequired"}}}}],"book":{"idCatalog":795081,"shortId":"3FVqAA3T","title":"Die Leiden des jungen Werther","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp","annotationText":"","catalogType":"PUBLIC_DOMAIN","catalogTypeLabel":"Общественное достояние","authorLine":"Иоганн Вольфганг Гёте","authors":[{"id":"a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","displayName":"Иоганн Вольфганг Гёте","protectedUrl":"/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","wikipediaUrl":"https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D1%91%D1%82%D0%B5%2C_%D0%98%D0%BE%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%BD_%D0%92%D0%BE%D0%BB%D1%8C%D1%84%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%B3_%D1%84%D0%BE%D0%BD","wikidataUrl":"https://www.wikidata.org/wiki/Q5879"}],"genres":[{"id":5214,"title":"зарубежная классика","token":null,"publicUrl":"https://bookra.app/genre/5214"}],"keywords":[],"facts":[{"key":"dateWritten","label":"Дата написания","value":"1970-01-01"},{"key":"bookLanguage","label":"Язык книги","value":"de"},{"key":"adult","label":"Возрастное ограничение","value":"0+"}],"seoSections":[],"authorSummary":null,"hasArtifacts":false,"canReadInApp":true,"readUrl":"https://web.bookra.app/?startapp=r_795081","artifactsUrl":"https://web.bookra.app/?startapp=b_795081","readCtaLabel":"Читать бесплатно","artifactsCtaLabel":"AI-разбор","appReadLinks":{"tg":"https://t.me/bookra_lib_bot/BookRa?startapp=r_795081","vk":"https://vk.com/app54470698#startapp=r_795081","max":"https://max.ru/id7751370047_bot?startapp=r_795081","web":"https://web.bookra.app/?startapp=r_795081"},"appAnalysisLinks":{"tg":"https://t.me/bookra_lib_bot/BookRa?startapp=b_795081","vk":"https://vk.com/app54470698#startapp=b_795081","max":"https://max.ru/id7751370047_bot?startapp=b_795081","web":"https://web.bookra.app/?startapp=b_795081"},"guestReaderUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content","authorCtaLabel":"Все книги автора","authorProtectedUrl":"/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","readersCount":0,"adultLabel":"0+","yearLabel":null,"datePublished":null,"publisherLabel":null,"isbn":null,"oclc":null,"lccn":null,"partnerUrl":null,"accessNote":"Полный текст книги и AI-разбор откроются на защищенных страницах BookRa после входа."},"reader":{"page":1,"totalPages":34,"hasPrev":false,"hasNext":true,"prevPageUrl":null,"nextPageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=2#reader-content","progressLabel":"Страница 1 из 34","sections":[{"id":"id25:0","kind":"heading","text":"Annotation"},{"id":"id25:1","kind":"paragraph","text":"«Die Leiden des jungen Werthers» lautet der Titel eines von Johann Wolfgang Goethe verfassten Briefromans, in dem der junge Rechtspraktikant Werther bis zu seinem Freitod über seine unglückliche Liaison mit der anderweitig verlobten „Lotte“ berichtet."},{"id":"id25:2","kind":"paragraph","text":"Der Roman Die Leiden des jungen Werthers (1774) war nach dem Sturm und Drang-Drama Götz von Berlichingen (1773) Goethes zweiter großer Erfolg. Die Handlung trägt autobiographische Züge. Goethe gestaltet hier literarisch-frei seine platonische Beziehung zu der bereits verlobten Charlotte Buff. In sie hatte er sich verliebt, als er von Mai bis September 1772 Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar war. Das Motiv für den tragischen Ausgang dieser Liebe, die Selbsttötung Werthers, lieferte Goethe der Suizid seines Freundes Karl Wilhelm Jerusalem, Gesandtschaftssekretär in Wetzlar. Der hatte sich in eine verheiratete Frau verliebt, die für ihn unerreichbar blieb. Die literarische Figur der Lotte im Roman trägt auch Züge von Maximiliane von la Roche, einer weiteren Bekanntschaft des jungen Goethe aus der Entstehungszeit des Romans. Von ihr stammen die schwarzen Augen Lottes. Charlotte Buff hatte blaue Augen."},{"id":"id25:3","kind":"paragraph","text":"Die Erstausgabe erschien im Herbst 1774 zur Leipziger Buchmesse und wurde gleich zum Bestseller. Eine überarbeitete Fassung folgte 1787. Der Roman ließ Goethe 1774 gleichsam über Nacht in Deutschland berühmt werden. Kein weiteres Buch Goethes wurde von so vielen seiner Zeitgenossen gelesen. Der Briefroman ist dem Sturm und Drang zuzuordnen."},{"id":"id25:4","kind":"paragraph","text":"Текст взят с сайта Ильи Франка (http://www.frank.deutschesprache.ru)"},{"id":"id25:5","kind":"paragraph","text":"Johann Wolfgang Goethe"},{"id":"id25:6","kind":"paragraph","text":"Erstes Buch"},{"id":"id25:7","kind":"paragraph","text":"Zweites Buch"},{"id":"id25:8","kind":"paragraph","text":"Zur Nachricht"},{"id":"id24:0","kind":"heading","text":"Johann Wolfgang Goethe Die Leiden des jungen Werther"},{"id":"id23:0","kind":"heading","text":"Erstes Buch"},{"id":"id23:1","kind":"paragraph","text":"Am 4. Mai 1771"},{"id":"id23:2","kind":"paragraph","text":"Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt «ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch — bin ich ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab «ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab «ich nicht — o was ist der Mensch, daß er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht — Gott weiß, warum sie so gemacht sind! — mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen."},{"id":"id23:3","kind":"paragraph","text":"Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, daß ich ihr Geschäft bestens betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde. Ich habe meine Tante gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen. Ich erklärte ihr meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre, alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten — kurz, ich mag jetzt nichts davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen. Und ich habe, mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit. Wenigstens sind die beiden letzteren gewiß seltener."},{"id":"id23:4","kind":"paragraph","text":"Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können."},{"id":"id23:5","kind":"paragraph","text":"Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M., einen Garten auf einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen und die lieblichsten Täler bilden. Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, daß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier genießen wollte. Schon manche Träne hab «ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint, das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist. Bald werde ich Herr vom Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird sich nicht übel dabei befinden."},{"id":"id23:6","kind":"paragraph","text":"Am 10. Mai"},{"id":"id23:7","kind":"paragraph","text":"Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten — dann sehne ich mich oft und denke: ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes! — mein Freund — aber ich gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen."}],"toc":[{"id":"id25:0:1","label":"Annotation","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id24:0:1","label":"Johann Wolfgang Goethe Die Leiden des jungen Werther","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id23:0:1","label":"Erstes Buch","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id22:0:16","label":"Zweites Buch","page":16,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=16#reader-content"},{"id":"id21:0:20","label":"Zur Nachricht","page":20,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=20#reader-content"}]},"similarBooks":[{"idCatalog":186027,"shortId":"34aNnYdh","title":"Триумфальная арка","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Михаил Львович Рудницкий","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8f2187be-a441-11e7-a9a5-0cc47a5453d6/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/34aNnYdh"},{"idCatalog":7883,"shortId":"1X1cCKnN","title":"Крестный отец","authorLine":"Марио Пьюзо, Мария Иосифовна Кан","primaryAuthorId":"f652f6c4-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/4a1f6a32-4a51-11e5-87ef-0025905a06ea/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1X1cCKnN"},{"idCatalog":95060,"shortId":"4IFEBf1G","title":"Цитадель","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Мария Ефимовна Абкина","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/4B151CA9-0571-4AE4-B235-D73F50F33D46/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/4IFEBf1G"},{"idCatalog":13186,"shortId":"3WgeijkS","title":"Замок Броуди","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Мария Ефимовна Абкина","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/db4e8919-f876-4733-9623-94fbd24087bb/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/3WgeijkS"},{"idCatalog":355251,"shortId":"2j5m32oj","title":"Сага о Форсайтах","authorLine":"Джон Голсуорси, Наталья Альбертовна Волжина, Мария Павловна Богословская, Мария Федоровна Лорие","primaryAuthorId":"8d817d86-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/cc40f15d-dcbc-11ea-81b5-0cc47a5f137d/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/2j5m32oj"},{"idCatalog":265186,"shortId":"1SsD5BbE","title":"Три любви","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Ирина В. Иванченко","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/90bf5c4f-3c73-11e9-82ee-0cc47a5203ba/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1SsD5BbE"},{"idCatalog":8567,"shortId":"0QiXuCTJ","title":"Искра жизни","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Михаил Львович Рудницкий","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/ce60f2e2-f1c4-4aa2-9069-ae799bd18343/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/0QiXuCTJ"},{"idCatalog":209584,"shortId":"3ATHSpf4","title":"Три товарища","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Юрий Иванович Архипов","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8ec7a6b9-453c-11e8-b51e-0cc47a520424/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/3ATHSpf4"},{"idCatalog":22429,"shortId":"1JG7Ok4p","title":"Острие бритвы","authorLine":"Сомерсет Моэм, Мария Федоровна Лорие","primaryAuthorId":"c5bc9047-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/026dde1c-3ed9-4af6-960f-ee6598ef8e72/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1JG7Ok4p"},{"idCatalog":110039,"shortId":"25xOnAgD","title":"Богач, бедняк","authorLine":"Ирвин Шоу, Ида Ивановна Басавина","primaryAuthorId":"3c51ba15-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/0ff4b5eb-2fce-11e5-9edc-002590591ed2/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/25xOnAgD"},{"idCatalog":189358,"shortId":"099YZVYm","title":"Ночь в Лиссабоне","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Нина Николаевна Федорова","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/683911ca-bfbf-11e7-8fe4-0cc47a5453d6/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/099YZVYm"},{"idCatalog":210345,"shortId":"4eTaM2cx","title":"На Западном фронте без перемен","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Нина Николаевна Федорова","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8e34727f-4c68-11e8-a5c8-0cc47a1952f2/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/4eTaM2cx"}],"similarBooksPagination":{"page":1,"pageSize":12,"totalItems":4251,"totalPages":355,"hasPrev":false,"hasNext":true}},"notFound":false}