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Dir scheint, dass-dass ich es aus seinem eignen,

-Des Fuersten Munde habe.

Max. (in heftiger Bewegung)

Nimmermehr!

Octavio.

Er selbst vertraute mir-was ich zwar laengst

Auf anderm Weg schon in Erfahrung brachte:

Dass er zum Schweden wolle uebergehn

Und an der Spitze des verbundnen Heers

Den Kaiser zwingen wolle-

Max.

Er ist heftig,

Es hat der Hof empfindlich ihn beleidigt;

In einem Augenblick des Unmuts, sei's!

Mag er sich leicht einmal vergessen haben.

Octavio.

Bei kaltem Blute war er, als er mir

Dies eingestand; und weil er mein Erstaunen

Als Furcht auslegte, wies er im Vertraun

Mir Briefe vor, der Schweden und der Sachsen,

Die zu bestimmter Hilfe Hoffnung geben.

Max.

Es kann nicht sein! kann nicht sein! kann nicht sein!

Siehst du, dass es nicht kann! Du haettest ihm

Notwendig deinen Abscheu ja gezeigt,

Er haett' sich weisen lassen, oder du

-Du stuendest nicht mehr lebend mir zur Seite!

Octavio.

Wohl hab ich mein Bedenken ihm geaeussert,

Hab dringend, hab mit Ernst ihn abgemahnt;

-Doch meinen Abscheu, meine innerste

Gesinnung hab ich tief versteckt.

Max.

Du waerst

So falsch gewesen? Das sieht meinem Vater

Nicht gleich! Ich glaubte deinen Worten nicht,

Da du von ihm mir Boeses sagtest; kann's

Noch wen'ger jetzt, da du dich selbst verleumdest.

Octavio.

Ich draengte mich nicht selbst in sein Geheimnis.

Max.

Aufrichtigkeit verdiente sein Vertraun.

Octavio.

Nicht wuerdig war er meiner Wahrheit mehr.

Max.

Noch minder wuerdig deiner war Betrug.

Octavio.

Mein bester Sohn! Es ist nicht immer moeglich,

Im Leben sich so kinderrein zu halten,

Wie's uns die Stimme lehrt im Innersten.

In steter Notwehr gegen arge List

Bleibt auch das redliche Gemuet nicht wahr-

Das eben ist der Fluch der boesen Tat,

Dass sie, fortzeugend, immer Boeses muss gebaeren.

Ich kluegle nicht, ich tue meine Pflicht,

Der Kaiser schreibt mir mein Betragen vor.

Wohl waer' es besser, ueberall dem Herzen

Zu folgen, doch darueber wuerde man

Sich manchen guten Zweck versagen muessen.

Hier gilt's, mein Sohn, dem Kaiser wohl zu dienen,

Das Herz mag dazu sprechen, was es will.

Max.

Ich soll dich heut nicht fassen, nicht verstehn.

Der Fuerst, sagst du, entdeckte redlich dir sein Herz

Zu einem boesen Zweck, und du willst ihn

Zu einem guten Zweck betrogen haben!

Hoer auf! ich bitte dich-du raubst den Freund

Mir nicht-Lass mich den Vater nicht verlieren!

Octavio. (unterdrueckt seine Empfindlichkeit)

Noch weisst du alles nicht, mein Sohn. Ich habe

Dir noch was zu eroeffnen. (Nach einer Pause.)

Herzog Friedland

Hat seine Zuruestung gemacht. Er traut

Auf seine Sterne. Unbereitet denkt er uns

Zu ueberfallen-mit der sichern Hand

Meint er den goldnen Zirkel schon zu fassen.

Er irret sich-Wir haben auch gehandelt.

Er fasst sein boes geheimnisvolles Schicksal.

Max.

Nichts Rasches, Vater! Oh! bei allem Guten

Lass dich beschwoeren. Keine Uebereilung!

Octavio.

Mit leisen Tritten schlich er seinen boesen Weg,

So leis und schlau ist ihm die Rache nachgeschlichen.

Schon steht sie ungesehen, finster hinter ihm,

Ein Schritt nur noch, und schaudernd ruehret er sie an.

-Du hast den Questenberg bei mir gesehn;

Noch kennst du nur sein oeffentlich Geschaeft-

Auch ein geheimes hat er mitgebracht,

Das bloss fuer mich war.

Max.

Darf ich's wissen?

Octavio.

Max!

-Des Reiches Wohlfahrt leg ich mit dem Worte,

Des Vaters Leben dir in deine Hand.

Der Wallenstein ist deinem Herzen teuer,

Ein starkes Band der Liebe, der Verehrung

Knuepft seit der fruehen Jugend dich an ihn-

Du naehrst den Wunsch-Oh! lass mich immerhin

Vorgreifen deinem zoegernden Vertrauen-

Die Hoffnung naehrst du, ihm viel naeher noch

Anzugehoeren.

Max.

Vater-

Octavio.

Deinem Herzen trau ich,

Doch, bin ich deiner Fassung auch gewiss?

Wirst du's vermoegen, ruhigen Gesichts

Vor diesen Mann zu treten, wenn ich dir

Sein ganz Geschick nun anvertrauet habe?

Max.

Nachdem du seine Schuld mir anvertraut!

Octavio. (nimmt ein Papier aus der Schatulle und reicht es ihm hin)

Max.

Was? Wie? Ein offner kaiserlicher Brief.

Octavio.

Lies ihn.

Max. (nachdem er einen Blick hineingeworfen)

Der Fuerst verurteilt und geaechtet!

Octavio.

So ist's.

Max.

Oh! das geht weit! O ungluecksvoller Irrtum!

Octavio.

Lies weiter! Fass dich!

Max. (nachdem er weitergelesen, mit einem Blick des

Erstaunens auf seinen Vater)

Wie? Was? Du? Du bist-

Octavio.

Bloss fuer den Augenblick-und bis der Koenig

Von Ungarn bei dem Heer erscheinen kann,

Ist das Kommando mir gegeben-

Max.

Und glaubst du, dass du's ihm entreissen werdest?

Das denke ja nicht-Vater! Vater! Vater!

Ein unglueckselig Amt ist dir geworden.

Dies Blatt hier-dieses! willst du geltendmachen?

Den Maechtigen in seines Heeres Mitte,

Umringt von seinen Tausenden, entwaffnen?

Du bist verloren-Du, wir alle sind's!

Octavio.

Was ich dabei zu wagen habe, weiss ich.

Ich stehe in der Allmacht Hand; sie wird

Das fromme Kaiserhaus mit ihrem Schilde

Bedecken und das Werk der Nacht zertruemmern.

Der Kaiser hat noch treue Diener, auch im Lager

Gibt es der braven Maenner gnug, die sich

Zur guten Sache munter schlagen werden.

Die Treuen sind gewarnt, bewacht die andern,

Den ersten Schritt erwart ich nur, sogleich-

Max.

Auf den Verdacht hin willst du rasch gleich handeln?

Octavio.

Fern sei vom Kaiser die Tyrannenweise!

Den Willen nicht, die Tat nur will er strafen.

Noch hat der Fuerst sein Schicksal in der Hand-

Er lasse das Verbrechen unvollfuehrt,

So wird man ihn still vom Kommando nehmen,

Er wird dem Sohne seines Kaisers weichen.

Ein ehrenvoll Exil auf seine Schloesser

Wird Wohltat mehr als Strafe fuer ihn sein.

Jedoch der erste offenbare Schritt-

Max.

Was nennst du einen solchen Schritt? Er wird

Nie einen boesen tun.-Du aber koenntest

(Du hast's getan) den froemmsten auch missdeuten.

Octavio.

Wie strafbar auch des Fuersten Zwecke waren,

Die Schritte, die er oeffentlich getan,

Verstatteten noch eine milde Deutung.

Nicht eher denk ich dieses Blatt zu brauchen,

Bis eine Tat getan ist, die unwidersprechlich

Der Hochverrat bezeugt und ihn verdammt.

Max.

Und wer soll Richter drueber sein?

Octavio.

Du selbst.

Max.

Oh! dann bedarf es dieses Blattes nie!

Ich hab dein Wort, du wirst nicht eher handeln,

Bevor du mich-mich selber ueberzeugt.

Octavio.

Ist's moeglich? Noch-nach allem, was du weisst,

Kannst du an seine Unschuld glauben?

Max. (lebhaft)

Dein Urteil kann sich irren, nicht mein Herz. (Gemaessigter fortfahrend.)

Der Geist ist nicht zu fassen wie ein andrer.

Wie er sein Schicksal an die Sterne knuepft,

So gleicht er ihnen auch in wunderbarer,

Geheimer, ewig unbegriffner Bahn.

Glaub mir, man tut ihm Unrecht. Alles wird

Sich loesen. Glaenzend werden wir den Reinen

Aus diesem schwarzen Argwohn treten sehn.

Octavio.

Ich will's erwarten.

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