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О книге

Дата написания1970-01-01
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Страница 1 из 59

Annotation

Alexandre Dumas der Ältere hat so viele historische Romane geschrieben, daß man ihre genaue Zahl nicht weiß. Die Zeit Napoleons hatten die Nachlebenden sich zu Legenden verklärt, die Wirklichkeit empfand man als die der »verlorenen Illusionen«; wie sehr man nach dem Wunderbaren lechzte, beweisen die Massenerfolge Dumas'. Die Zeitungsverleger hatten als unfehlbares Mittel, ihre Auflagen zu steigern, den Fortsetzungsroman soeben entdeckt, und kein Autor steigerte sie unfehlbar wie Dumas. Er hätte am liebsten die ganze Weltgeschichte in eine Romankette verwandelt. Man sieht - und denkt an Balzac -, die gigantischen Pläne waren damals nicht einmalig. Mit den Eigenschaften seiner prachtvollen Musketiere selber begabt, dazu mit sicherem Theaterinstinkt und gewaltiger Arbeitskraft, der einige gute literarische Mitarbeiter assistierten - so inszenierte er immerhin die französische Geschichte. »Es ist eine Geschichte, die nicht ganz wahrheitsgetreu, aber auch nicht ganz falsch ist, und sie ist in jedem Augenblick wunderbar dramatisch« (Andre Maurois in »Die drei Dumas«).

Die Halsbandaffäre, die in der Tat die Vorgeschichte der Revolution eröffnete und seit der man, laut Napoleon, den Tod der Königin hat voraussehen können, wird mit einer schmerzlichen Liebesgeschichte verbunden, und Marie-Antoinette erscheint weniger als die allzu leichtfertige Herrscherin, die sie war, denn als eine unglückliche Frau. Cagliostro alias Joseph Balsamo, der dem Leser aus dem ersten Band dieser Romanfolge (»Der Ratschluß des Magiers«) bekannt ist und der in Wirklichkeit ein Scharlatan war, wirkt im Hintergrund als geheimnisvoller Lenker der Geschicke und geschworener Diener der Geschichte. Im übrigen stimmen die Ereignisse ungefähr mit der Historie überein. Die Abenteurerin Jeanne de La Motte, die Königin, der Juwelier Boehmer, der Kardinal Louis de Rohan, der Fälscher Reteaux de Villette, das Mädchen Oliva waren nach den überlieferten Prozeßakten tatsächlich und etwa in der dargestellten

Weise Akteure in diesem Kriminalfall. Wo Dumas vornehmlich aus kommerziellen Gründen - er bezog hohes Zeilenhonorar -seine Handlung allzusehr gedehnt hat, haben wir ein wenig »Luft herausgelassen«, damit auch das moderne Publikum mit Andre Maurois sagen kann: »Regt Dumas zum Denken an? Selten. Zum Träumen? Nie. Zum Weiterlesen immer.«

Zwei unbekannte Damen

Ein Interieur

Jeanne de La Motte-Valois

Belus

Die Fahrt nach Versailles

Der Befehl

Der Alkoven der Königin

Das kleine Lever der Königin

Auf dem Schweizer See im Trianon-Park

Der Versucher

Suffren

Herr de Charny

Die hundert Louisdor der Königin

Der Kardinal Rohan

Mesmer

Fräulein Oliva

Das kleine Haus

Der Opernball

Die Akademie des Herrn Beausire

Der Gesandte

Boehmer & Bossange

Bei dem Zeitungsschreiber

Wie zwei Freunde Feinde wurden

Das Haus in der Rue Neuve-Saint-Gilles

Das Oberhaupt der Familie Taverney

Das übriggebliebene Pamphlet

Bei der Königin

Ein Alibi

Herr de Crosne

Die Versucherin

Ehrgeiz und Liebe

Herr Ducorneau begreift die Welt nicht mehr

Illusion und Wirklichkeit

Fräulein Oliva beginnt sich zu fragen, was man eigentlich von ihr will

Das verlassene Haus

Jeanne als Beschützerin

Jeanne als Protegierte

Bei Doktor Louis

Ein Finanzminister

Gläubiger und Schuldner

Abrechnungen

Marie-Antoinette und Madame de La Motte

Die Gefangene

Das Stelldichein

Weib und Königin

Die Flucht

Der Brief und die Quittung

Berichte, Gerüchte und ein Abschied

Saint-Denis

Die Braut

Die Viper

Herr de Crosne triumphiert

Der Prozess

Das Schemelchen

Die Exekution

Die Hochzeit

Zwei unbekannte Damen

Der Winter 1784 war hart und lang.

Für den Reichen sind Eisblumen am Fenster ein Luxus der Natur, der den Luxus seiner Räumlichkeiten erhöht. Für ihn hat der Winter seine Diamanten, seine Damastweiße, sein silbernes Spitzenwerk. Jedes Unwetter betrachtet er vom behaglichen Kaminfeuer her als willkommenen Dekorwechsel, den der ewige Maschinist, den man Gott nennt, für ihn veranstaltet. Wem die Düfte eines köstlichen Diners in die Nase steigen, der erfrischt den Geist von Zeit zu Zeit gern durchs halboffene Fenster an der eisigen Schneeluft draußen, um unter den Gästen an schimmernder Tafel mit desto mehr Witz zu brillieren, falls er welchen hat.

Aber wer hungert und friert hat keinen Sinn für die Pracht der Natur. Er flieht den Himmel ohne Sonne und also ohne Lächeln für den Unglücklichen. In jenem Jahr strömten die Armen aus den Dörfern in die Städte, wie der Winter die Wölfe in die Dörfer treibt. Von Januar bis Mitte April litten und starben an Kälte und Hunger von reichlich fünfhunderttausend Einwohnern dreihunderttausend Menschen allein in Paris, wo unter der Ausrede, daß keine Stadt mehr Reiche berge als diese, für die Elenden nicht die mindeste Vorsorge getroffen worden war.

Kein Brot mehr, kein Holz mehr, um Brot zu backen.

Die Stadt hatte ihre Wintervorräte binnen Monatsfrist verschlungen. Kluger Voraussicht unfähig, zeigte sich der Vorsteher der Kaufmannschaft außerstande, verfügbare zweihunderttausend Klafter Holz aus dem Umkreis in die Hauptstadt befördern zu lassen. Seine Entschuldigung, wenn es fror: die Pferde kämen auf dem Glatteis nicht von der Stelle; wenn es taute: Karren und Tiere blieben im Schlamm stecken. Das Holz wurde mehr und mehr rationiert. Vor den Holzhandlungen sah man ebenso lange Schlangen wie bald darauf vor den Bäckerläden.

König Ludwig XVI. gab alles Geld seiner Privatschatulle für Almosen aus, Königin Marie-Antoinette spendete fünfhundert Louisdor zur Linderung des Elends, eine Summe, die freilich in keinem Vergleich stand zu den Millionen, die Angehörige des Hofes in jener Zeit der permanenten Finanzkatastrophen für nichts verschlangen.

Weiterhin wurden durch zusätzliche Steuern drei Millionen zur Erleichterung der allgemeinen Not aufgebracht. Klöster, Hospitäler, öffentliche Bauten und Denkmäler hatten den Obdachlosen Asyl zu bieten, und nach dem Vorbild der königlichen Schlösser wurden die Torwege der Palais den Armen geöffnet und auf den Ehrenhöfen Platz um ein großes Feuer gewährt.

So hoffte man, das Frühjahr zu erreichen. Aber setzte auch hin und wieder schon Tauwetter ein, so daß Menschen, Tiere und Fahrzeuge im Wasser ertranken, da die Pariser Straßen nicht über Gossen und Abflüsse verfügten und der geschmolzene Schnee in Massen der Seine zuströmte, so verwandelte scharfer Nachtfrost alles wieder in einen diamantenen Spiegel. Paris war übersät mit gestürzten Menschen, Pferden und Wagen.

Lebensgefährlich waren die schweren Kutschen und flinken Kabrioletts für die Fußgänger in den schmalen Straßen und Gassen der Innenstadt. Tag für Tag häuften Tausende von Arbeitern Schnee und Eis längs der Häuser auf. Da die Karren nicht ausreichten, diese Wälle abzutransportieren, verschwanden die kleinen Läden bald dahinter. Wer aber in den nun noch verengten

Straßen ein Gefährt nicht rechtzeitig hörte, wurde erbarmungslos gegen die Eismauern geschleudert und zerquetscht.

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