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О книге

Дата написания1970-01-01
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Страница 58 из 59

»Feige Franzosen«, schrie Jeanne mit gellender Stimme, »warum verteidigt ihr mich nicht! Meine ganze Schuld ist, daß ich zuviel über die Königin weiß!«

Weiter kam sie nicht. Polizisten erklommen das Gerüst und knebelten die Rasende. Von allen Seiten niedergezwungen, wurde sie wehrlos der Vollstreckung ausgesetzt. Dennoch, mit übermenschlichem Widerstandswillen bäumte sie sich ein letztes Mal auf, und das glühende Eisen, das sich auf ihre Schulter niedersenkte, traf ihre rechte Brust. Das Instrument grub seinen rauchenden, stinkenden Abdruck in das lebendige Fleisch und entriß dem Opfer trotz des Knebels ein Brüllen, wie es mit keinem Wort sich beschreiben läßt.

Jeanne brach zusammen. Ihren Lippen entrang sich kein Laut mehr, ihre Glieder zuckten nicht einmal mehr. Sie wurde wie leblos hinausgetragen.

Die Menge, ob sie diesen Strafvollzug billigte oder darüber entsetzt war, ob sie diese Frau verachtet oder für ihren Widerstand bewundert hatte, war verstummt und räumte hastig den Platz.

Die Hochzeit

An demselben Tag zur Mittagsstunde sah man in Versailles der Hochzeitsmesse für Olivier de Charny und Andree de Taverney entgegen.

Durch das Spalier der Höflinge, die in den Galerien warteten, schritt der König, lächelte den einen zu und maß die anderen mit einem strengen Blick, je nach der Partei, die sie in dem nun endlich beschlossenen Prozeß gewählt hatten.

So gelangte er in den viereckigen Salon, wo die Königin, festlich geschmückt und bleich unter ihrer Schminke, im Kreis ihrer Damen und Herren saß. Das Gespräch tröpfelte, wie es geschieht, wenn die Aufmerksamkeit aller Beteiligten nur geheuchelt ist.

Als der König hereintrat, eilte man, Herrn de Charny zu holen. Die Königin wandte der Tür den Rücken und preßte die Hand auf ihr Herz. Die Braut war noch nicht eingetroffen.

»Eure Majestät möge die Verzögerung entschuldigen«, sagte Charny zum König, »Mademoiselle de Taverney hat seit dem Tod ihres Vaters das Bett gehütet. Sie befindet sich noch immer nicht sehr wohl. Doch wäre sie bereits hier, wenn nicht eine Ohnmacht sie neuerlich befallen hätte.«

»Nun, ich denke«, sagte Ludwig, »daß ein guter Gatte sie über den Verlust des Vaters trösten wird. Herr de Breteuil«, wandte er sich an den Siegelbewahrer, »haben Sie den Verbannungsbefehl gegen Cagliostro ausgefertigt?«

»Ja, Sire.«

Es war so still im Raum, daß man den Atem eines Vogels gehört hätte.

»Und diese La Motte«, fuhr Ludwig fort, »die sich brüstete, eine Valois zu sein, ist heute ihrer Strafe unterzogen worden, nicht wahr?«

»Zur Stunde muß der Befehl bereits vollstreckt sein«, antwortete der Siegelbewahrer.

»Es wird den Herrn Kardinal empfindlich treffen, daß seine Komplizin gebrandmarkt worden ist«, sagte der König streng und blickte Beifall heischend um sich.

Kein Laut der Zustimmung erhob sich. Der König stand mit dieser Schmähung des Mannes, den das Pariser Gericht soeben freigelassen hatte, allein.

Nun erschien an der Hand ihres Bruders, in feierlicher Starre einherschreitend, als ginge sie in den Tod, Andree, weiß gewandet wie eine Braut, weiß von Angesicht wie ein Geist.

Alle Damen nahmen Aufstellung hinter der Königin, alle Herren hinter dem König. Der Gouverneur de Suffren reichte seinem Neffen die Hand und führte ihn der Braut entgegen. Dann mischte er sich unter die Gruppe der nahen Freunde und Verwandten.

Philippe, die Schwester zur Seite, ging aufrecht seinen Weg bis vor den König, ohne daß sein Blick sich Olivier zugewendet hätte, ohne daß er Andree durch einen Händedruck aus ihrer Betäubung geweckt und ihr bedeutet hätte, daß ihr Bräutigam gekommen war.

Vor dem König angelangt, öffnete Andree weit ihre Augen und sah, daß Ludwig ihr gutmütig zulächelte.

»Mademoiselle«, sagte er und nahm ihre Hand, »Sie haben auf meine Bitte hin eingewilligt, Ihre Heirat zu vollziehen, noch ehe Ihre Trauerzeit abgelaufen ist. Ich danke Ihnen. Mehr wird Ihr künftiger Gatte es Ihnen danken. Das Glück uns so treu ergebener Edelleute, wie Sie, Mademoiselle, und Herr de Charny es sind, liegt mir am Herzen. Ich hätte es bedauert, Ihrer Hochzeit fernbleiben zu müssen, denn wie Sie wissen, trete ich morgen mit der Königin eine Reise durch das Land an. So aber haben Sie mir die Freude gewährt, Ihren Heiratsvertrag zu unterzeichnen und der Zeremonie in meiner Kapelle beizuwohnen. Begrüßen Sie die Königin, Mademoiselle, und danken Sie ihr, denn Ihre Majestät hat es stets gut mit Ihnen gemeint.«

Er führte Andree nun selber zu Marie-Antoinette, die aufgestanden war. Aber ihre Knie zitterten, und ihre Hände waren eisig. Sie wagte kaum aufzublicken und gewahrte nur etwas Weißes, das sich ihr näherte und sich verneigte.

»In die Kapelle, meine Herrn!« rief der König.

Schweigend folgte die Eskorte den Majestäten. Die Messe begann. Über ihr Betpult geneigt, den Kopf in die Hände gelegt, hörte die Königin sie an.

Olivier de Charny, auf dem aller Blicke ruhten, wirkte ernst und gefaßt wie an Bord inmitten der Feuergarben britischer Geschütze, nur litt er weit mehr.

Philippe ließ seine Schwester nicht aus den Augen, und da er sie beben und schwanken sah, hätte er ihr mit einem Wort, einer tröstenden Geste gerne Ermutigung gegeben.

Aber Andree verleugnete sich nicht. Wohl roch sie einige Male an ihrem Fläschchen und hielt sich mit Mühe aufrecht wie ein flackerndes Licht, aber sie bezwang kraft ihres Willens den Gram, der sie verzehrte, seit sie an jenem unseligen Abend das Gespräch Charnys mit ihrem Bruder erlauscht hatte. Sie betete nicht, sie sandte keine Wünsche für die Zukunft zum Himmel; sie erhoffte nichts mehr von Gott und nichts mehr von den Menschen.

Endlich richtete der Priester das Wort an das Brautpaar. Andree sprach ihr Ja in einem Ton, der die Königin traf wie ein stechender Schmerz. Dann steckte Charny seiner Frau den goldenen Ring an den Finger, ohne daß Andree seine Hand gefühlt hätte.

Der König stand auf, die Messe war zu Ende. In der Galerie begrüßten die Höflinge das junge Paar. Herr de Suffren nahm die Hand der Jungvermählten und versprach ihr im Namen Oliviers alles erdenkliche Glück und geleitete sie in den Salon, wo der König sie erwartete. Ludwig küßte Andree auf die Stirn, nachdem er seine Wünsche ausgesprochen, und schickte sie zur Königin.

Der Hof zerstreute sich. Philippe nahm den Arm seiner Schwester und sprach ihr Mut zu diesem letzten schweren Gang zu.

Sie fand Marie-Antoinette in ihrem Zimmer. Obwohl es schon Juni war, brannte ein Feuer im Kamin. Die Königin saß in ihrem Lehnstuhl. Als Andree hereintrat, erhob sie sich wortlos und überreichte ihr einen offenen Brief.

»Andree, Sie haben mich gerettet. Ihnen danke ich meine Ehre; mein Leben gehört Ihnen. Im Namen dieser Ehre, die Sie so teuer erkauft haben, schwöre ich Ihnen, daß Sie mich in Zukunft Ihre Schwester nennen dürfen. Versuchen Sie es, ich werde nicht erröten.

Ich lege dieses Schriftstück in Ihre Hände; es ist das Unterpfand meiner Dankbarkeit; es ist die Mitgift, die ich Ihnen gebe.

Ihr Herz ist das edelste, das ich kenne; es wird mein Angebot zu würdigen wissen.

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