Удобнее читать в приложении
AI-разбор доступен после входа
Суть книги, пересказ, главный конфликт, ключевые идеи, вывод, кому полезна, главные темы, персонажи и цитаты можно получить после входа в BookRa.
auto_awesomeПолучить AI-разборО книге
Дата написания1970-01-01
Язык книгиde
Возрастное ограничение0+
Читать онлайн
Страница 33 из 34Wie schwer lag jetzt, was sie sich in dem Augenblick nicht deutlich machen konnte, die Stockung auf ihr, die sich unter ihnen festgesetzt hatte! So verständige, so gute Menschen fingen wegen gewisser heimlicher Verschiedenheiten unter einander zu schweigen an, jedes dachte seinem Recht und dem Unrechte des andern nach, und die Verhältnisse verwickelten und verhetzten sich dergestalt, daß es unmöglich ward, den Knoten eben in dem kritischen Momente, von dem alles abhing, zu lösen. Hätte eine glückliche Vertraulichkeit sie früher wieder einander näher gebracht, wäre Liebe und Nachsicht wechselsweise unter ihnen lebendig worden und hätte ihre Herzen aufgeschlossen, vielleicht wäre unser Freund noch zu retten gewesen.
Noch ein sonderbarer Umstand kam dazu. Werther hatte, wie wir aus seinen Briefen wissen, nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß er sich diese Welt zu verlassen sehnte. Albert hatte ihn oft bestritten, auch war zwischen Lotten und ihrem Mann manchmal die Rede davon gewesen. Dieser, wie er einen entschiedenen Widerwillen gegen die Tat empfand, hatte auch gar oft mit einer Art von Empfindlichkeit, die sonst ganz außer seinem Charakter lag, zu erkennen gegeben, daß er an dem Ernst eines solchen Vorsatzes sehr zu zweifeln Ursach «finde, er hatte sich sogar darüber einigen Scherz erlaubt und seinen Unglauben Lotten mitgeteilt. Dies beruhigte sie zwar von einer Seite, wenn ihre Gedanken ihr das traurige Bild vorführten, von der andern aber fühlte sie sich auch dadurch gehindert, ihrem Manne die Besorgnisse mitzuteilen, die sie in dem Augenblicke quälten.
Albert kam zurück, und Lotte ging ihm mit einer verlegenen Hastigkeit entgegen, er war nicht heiter, sein Geschäft war nicht vollbracht, er hatte an dem benachbarten Amtmanne einen unbiegsamen, kleinsinnigen Menschen gefunden. Der üble Weg auch hatte ihn verdrießlich gemacht.
Er fragte, ob nichts vorgefallen sei, und sie antwortete mit Übereilung: Werther sei gestern abends dagewesen. Er fragte, ob Briefe gekommen, und er erhielt zur Antwort, daß ein Brief und Pakete auf seiner Stube lägen. Er ging hinüber, und Lotte blieb allein. Die Gegenwart des Mannes, den sie liebte und ehrte, hatte einen neuen Eindruck in ihr Herz gemacht. Das Andenken seines Edelmuts, seiner Liebe und Güte hatte ihr Gemüt mehr beruhigt, sie fühlte einen heimlichen Zug, ihm zu folgen, sie nahm ihre Arbeit und ging auf sein Zimmer, wie sie mehr zu tun pflegte. Sie fand ihn beschäftigt, die Pakete zu erbrechen und zu lesen. Einige schienen nicht das Angenehmste zu enthalten. Sie tat einige Fragen an ihn, die er kurz beantwortete, und sich an den Pult stellte, zu schreiben.
Sie waren auf diese Weise eine Stunde nebeneinander gewesen, und es ward immer dunkler in Lottens Gemüt. Sie fühlte, wie schwer es ihr werden würde, ihrem Mann, auch wenn er bei dem besten Humor wäre, das zu entdecken, was ihr auf dem Herzen lag; sie verfiel in eine Wehmut, die ihr um desto ängstlicher ward, als sie solche zu verbergen und ihre Tränen zu verschlucken suchte.
Die Erscheinung von Werthers Knaben setzte sie in die größte Verlegenheit; er überreichte Alberten das Zettelchen, der sich gelassen nach seiner Frau wendete und sagte:»gib ihm die Pistolen«. —»ich lasse ihm glückliche Reise wünschen.»sagte er zum Jungen. — das fiel auf sie wie ein Donnerschlag, sie schwankte aufzustehen, sie wußte nicht, wie ihr geschah. Langsam ging sie nach der Wand, zitternd nahm sie das Gewehr herunter, putzte den Staub ab und zauderte, und hätte noch lange gezögert, wenn nicht Albert durch einen fragenden Blick sie gedrängt hätte. Sie gab das unglückliche Werkzeug dem Knaben, ohne ein Wort vorbringen zu können, und als der zum Hause hinaus war, machte sie ihre Arbeit zusammen, ging in ihr Zimmer, in dem Zustande der unaussprechlichsten Ungewißheit. Ihr Herz weissagte ihr alle Schrecknisse. Bald war sie im Begriffe, sich zu den Füßen ihres Mannes zu werfen, ihm alles zu entdecken, die Geschichte des gestrigen Abends, ihre Schuld und ihre Ahnungen. Dann sah sie wieder keinen Ausgang des Unternehmens, am wenigsten konnte sie hoffen, ihren Mann zu einem Gange nach Werthern zu bereden. Der Tisch ward gedeckt, und eine gute Freundin, die nur etwas zu fragen kam, gleich gehen wollte — und blieb, machte die Unterhaltung bei Tische erträglich; man zwang sich, man redete, man erzählte, man vergaß sich.
Der Knabe kam mit den Pistolen zu Werthern, der sie ihm mit Entzücken abnahm, als er hörte, Lotte habe sie ihm gegeben. Er ließ sich Brot und Wein bringen, hieß den Knaben zu Tische gehen und setzte sich nieder, zu schreiben.
«Sie sind durch deine Hände gegangen, du hast den Staub davon geputzt, ich küsse sie tausendmal, du hast sie berührt! Und du, Geist des Himmels, begünstigst meinen Entschluß, und du, Lotte, reichst mir das Werkzeug, du, von deren Händen ich den Tod zu empfangen wünschte, und ach! Nun empfange. O ich habe meinen Jungen ausgefragt. Du zittertest, als du sie ihm reichtest, du sagtest kein Lebewohl! — wehe! Wehe! Kein Lebewohl! — solltest du dein Herz für mich verschlossen haben, um des Augenblicks willen, der mich ewig an dich befestigte? Lotte, kein Jahrtausend vermag den Eindruck auszulöschen! Und ich fühle es, du kannst den nicht hassen, der so für dich glüht».
Nach Tische hieß er den Knaben alles vollends einpacken, zerriß viele Papiere, ging aus und brachte noch kleine Schulden in Ordnung. Er kam wieder nach Hause, ging wieder aus vors Tor, ungeachtet des Regens, in den gräflichen Garten, schweifte weiter in der Gegend umher und kam mit anbrechender Nacht zurück und schrieb.
«Wilhelm, ich habe zum letzten Male Feld und Wald und den Himmel gesehen. Leb wohl auch du! Liebe Mutter, verzeiht mir! Tröste sie, Wilhelm! Gott segne euch! Meine Sachen sind alle in Ordnung. Lebt wohl! Wir sehen uns wieder und freudiger».
«Ich habe dir übel gelohnt, Albert, und du vergibst mir. Ich habe den Frieden deines Hauses gestört, ich habe Mißtrauen zwischen euch gebracht. Lebe wohl! Ich will es enden. O daß ihr glücklich wäret durch meinen Tod! Albert! Albert! Mache den Engel glücklich! Und so wohne Gottes Segen über dir?»
Er kannte den Abend noch viel in seinen Papieren, zerriß vieles und warf es in den Ofen, versiegelte einige Päcke mit den Adressen an Wilhelm. Sie enthielten kleine Aufsätze, abgerissene Gedanken, deren ich verschiedene gesehen habe; und nachdem er um zehn Uhr Feuer hatte nachlegen und sich eine Flasche Wein geben lassen, schickte er den Bedienten, dessen Kammer wie auch die Schlafzimmer der Hausleute weit hinten hinaus waren, zu Bette, der sich dann in seinen Kleidern niederlegte, um frühe bei der Hand zu sein; denn sein Herr hatte gesagt, die Postpferde würden vor sechse vors Haus kommen.
Alles ist so still um mich her, und so ruhig meine Seele. Ich danke dir, Gott, der du diesen letzten Augenblicken diese Wärme, diese Kraft schenkest.
Вам также может понравиться
{"page":{"canonicalUrl":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","pageTitle":"Die Leiden des jungen Werther (Иоганн Вольфганг Гёте) — полный текст, краткое содержание, анализ и герои","metaDescription":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","headingTitle":"«Die Leiden des jungen Werther». Читать бесплатно онлайн","headingSubtitle":"Иоганн Вольфганг Гёте","structuredData":[{"@context":"https://schema.org","@type":"BreadcrumbList","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"BookRa","item":"https://bookra.app/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"зарубежная классика","item":"https://bookra.app/genre/5214"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Die Leiden des jungen Werther","item":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T"}]},{"@context":"https://schema.org","@type":"WebPage","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","name":"«Die Leiden des jungen Werther». Читать бесплатно онлайн","description":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","breadcrumb":{"@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#breadcrumb"},"mainEntity":{"@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#work"},"primaryImageOfPage":{"@type":"ImageObject","url":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp"}},{"@context":"https://schema.org","@type":"Book","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#work","name":"Die Leiden des jungen Werther","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","description":"Полный текст книги «Die Leiden des jungen Werther». А также краткое содержание, главные мысли, конфликт, темы, персонажи, цитаты и ответы на вопросы.","image":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp","inLanguage":"de","genre":["зарубежная классика"],"author":[{"@type":"Person","@id":"https://bookra.app/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0#person","name":"Иоганн Вольфганг Гёте","url":"https://bookra.app/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","sameAs":["https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D1%91%D1%82%D0%B5%2C_%D0%98%D0%BE%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%BD_%D0%92%D0%BE%D0%BB%D1%8C%D1%84%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%B3_%D1%84%D0%BE%D0%BD","https://www.wikidata.org/wiki/Q5879"]}],"about":[{"@type":"Thing","name":"зарубежная классика"},{"@type":"Thing","name":"чтение онлайн"},{"@type":"Thing","name":"саммари"},{"@type":"Thing","name":"AI-разбор"},{"@type":"Thing","name":"персонажи"},{"@type":"Thing","name":"цитаты"}],"workExample":{"@type":"Book","@id":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T#edition","url":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","bookFormat":"https://schema.org/EBook","inLanguage":"de","isAccessibleForFree":true,"potentialAction":{"@type":"ReadAction","name":"Читать бесплатно онлайн «Die Leiden des jungen Werther»","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https://bookra.app/books/3FVqAA3T","actionPlatform":["https://schema.org/DesktopWebPlatform"]},"expectsAcceptanceOf":{"@type":"Offer","category":"nologinrequired"}}}}],"book":{"idCatalog":795081,"shortId":"3FVqAA3T","title":"Die Leiden des jungen Werther","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-pd-public/content/2d918d74-1118-11ea-9c06-0cc47a5f137d/thumbs/1200.webp","annotationText":"","catalogType":"PUBLIC_DOMAIN","catalogTypeLabel":"Общественное достояние","authorLine":"Иоганн Вольфганг Гёте","authors":[{"id":"a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","displayName":"Иоганн Вольфганг Гёте","protectedUrl":"/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","wikipediaUrl":"https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D1%91%D1%82%D0%B5%2C_%D0%98%D0%BE%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%BD_%D0%92%D0%BE%D0%BB%D1%8C%D1%84%D0%B3%D0%B0%D0%BD%D0%B3_%D1%84%D0%BE%D0%BD","wikidataUrl":"https://www.wikidata.org/wiki/Q5879"}],"genres":[{"id":5214,"title":"зарубежная классика","token":null,"publicUrl":"https://bookra.app/genre/5214"}],"keywords":[],"facts":[{"key":"dateWritten","label":"Дата написания","value":"1970-01-01"},{"key":"bookLanguage","label":"Язык книги","value":"de"},{"key":"adult","label":"Возрастное ограничение","value":"0+"}],"seoSections":[],"authorSummary":null,"hasArtifacts":false,"canReadInApp":true,"readUrl":"https://web.bookra.app/?startapp=r_795081","artifactsUrl":"https://web.bookra.app/?startapp=b_795081","readCtaLabel":"Читать бесплатно","artifactsCtaLabel":"AI-разбор","appReadLinks":{"tg":"https://t.me/bookra_lib_bot/BookRa?startapp=r_795081","vk":"https://vk.com/app54470698#startapp=r_795081","max":"https://max.ru/id7751370047_bot?startapp=r_795081","web":"https://web.bookra.app/?startapp=r_795081"},"appAnalysisLinks":{"tg":"https://t.me/bookra_lib_bot/BookRa?startapp=b_795081","vk":"https://vk.com/app54470698#startapp=b_795081","max":"https://max.ru/id7751370047_bot?startapp=b_795081","web":"https://web.bookra.app/?startapp=b_795081"},"guestReaderUrl":"/books/3FVqAA3T?page=33#reader-content","authorCtaLabel":"Все книги автора","authorProtectedUrl":"/author/a3967d13-c58d-58ac-9cc7-9da88a06f2c0","readersCount":0,"adultLabel":"0+","yearLabel":null,"datePublished":null,"publisherLabel":null,"isbn":null,"oclc":null,"lccn":null,"partnerUrl":null,"accessNote":"Полный текст книги и AI-разбор откроются на защищенных страницах BookRa после входа."},"reader":{"page":33,"totalPages":34,"hasPrev":true,"hasNext":true,"prevPageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=32#reader-content","nextPageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=34#reader-content","progressLabel":"Страница 33 из 34","sections":[{"id":"id21:190","kind":"paragraph","text":"Wie schwer lag jetzt, was sie sich in dem Augenblick nicht deutlich machen konnte, die Stockung auf ihr, die sich unter ihnen festgesetzt hatte! So verständige, so gute Menschen fingen wegen gewisser heimlicher Verschiedenheiten unter einander zu schweigen an, jedes dachte seinem Recht und dem Unrechte des andern nach, und die Verhältnisse verwickelten und verhetzten sich dergestalt, daß es unmöglich ward, den Knoten eben in dem kritischen Momente, von dem alles abhing, zu lösen. Hätte eine glückliche Vertraulichkeit sie früher wieder einander näher gebracht, wäre Liebe und Nachsicht wechselsweise unter ihnen lebendig worden und hätte ihre Herzen aufgeschlossen, vielleicht wäre unser Freund noch zu retten gewesen."},{"id":"id21:191","kind":"paragraph","text":"Noch ein sonderbarer Umstand kam dazu. Werther hatte, wie wir aus seinen Briefen wissen, nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß er sich diese Welt zu verlassen sehnte. Albert hatte ihn oft bestritten, auch war zwischen Lotten und ihrem Mann manchmal die Rede davon gewesen. Dieser, wie er einen entschiedenen Widerwillen gegen die Tat empfand, hatte auch gar oft mit einer Art von Empfindlichkeit, die sonst ganz außer seinem Charakter lag, zu erkennen gegeben, daß er an dem Ernst eines solchen Vorsatzes sehr zu zweifeln Ursach «finde, er hatte sich sogar darüber einigen Scherz erlaubt und seinen Unglauben Lotten mitgeteilt. Dies beruhigte sie zwar von einer Seite, wenn ihre Gedanken ihr das traurige Bild vorführten, von der andern aber fühlte sie sich auch dadurch gehindert, ihrem Manne die Besorgnisse mitzuteilen, die sie in dem Augenblicke quälten."},{"id":"id21:192","kind":"paragraph","text":"Albert kam zurück, und Lotte ging ihm mit einer verlegenen Hastigkeit entgegen, er war nicht heiter, sein Geschäft war nicht vollbracht, er hatte an dem benachbarten Amtmanne einen unbiegsamen, kleinsinnigen Menschen gefunden. Der üble Weg auch hatte ihn verdrießlich gemacht."},{"id":"id21:193","kind":"paragraph","text":"Er fragte, ob nichts vorgefallen sei, und sie antwortete mit Übereilung: Werther sei gestern abends dagewesen. Er fragte, ob Briefe gekommen, und er erhielt zur Antwort, daß ein Brief und Pakete auf seiner Stube lägen. Er ging hinüber, und Lotte blieb allein. Die Gegenwart des Mannes, den sie liebte und ehrte, hatte einen neuen Eindruck in ihr Herz gemacht. Das Andenken seines Edelmuts, seiner Liebe und Güte hatte ihr Gemüt mehr beruhigt, sie fühlte einen heimlichen Zug, ihm zu folgen, sie nahm ihre Arbeit und ging auf sein Zimmer, wie sie mehr zu tun pflegte. Sie fand ihn beschäftigt, die Pakete zu erbrechen und zu lesen. Einige schienen nicht das Angenehmste zu enthalten. Sie tat einige Fragen an ihn, die er kurz beantwortete, und sich an den Pult stellte, zu schreiben."},{"id":"id21:194","kind":"paragraph","text":"Sie waren auf diese Weise eine Stunde nebeneinander gewesen, und es ward immer dunkler in Lottens Gemüt. Sie fühlte, wie schwer es ihr werden würde, ihrem Mann, auch wenn er bei dem besten Humor wäre, das zu entdecken, was ihr auf dem Herzen lag; sie verfiel in eine Wehmut, die ihr um desto ängstlicher ward, als sie solche zu verbergen und ihre Tränen zu verschlucken suchte."},{"id":"id21:195","kind":"paragraph","text":"Die Erscheinung von Werthers Knaben setzte sie in die größte Verlegenheit; er überreichte Alberten das Zettelchen, der sich gelassen nach seiner Frau wendete und sagte:»gib ihm die Pistolen«. —»ich lasse ihm glückliche Reise wünschen.»sagte er zum Jungen. — das fiel auf sie wie ein Donnerschlag, sie schwankte aufzustehen, sie wußte nicht, wie ihr geschah. Langsam ging sie nach der Wand, zitternd nahm sie das Gewehr herunter, putzte den Staub ab und zauderte, und hätte noch lange gezögert, wenn nicht Albert durch einen fragenden Blick sie gedrängt hätte. Sie gab das unglückliche Werkzeug dem Knaben, ohne ein Wort vorbringen zu können, und als der zum Hause hinaus war, machte sie ihre Arbeit zusammen, ging in ihr Zimmer, in dem Zustande der unaussprechlichsten Ungewißheit. Ihr Herz weissagte ihr alle Schrecknisse. Bald war sie im Begriffe, sich zu den Füßen ihres Mannes zu werfen, ihm alles zu entdecken, die Geschichte des gestrigen Abends, ihre Schuld und ihre Ahnungen. Dann sah sie wieder keinen Ausgang des Unternehmens, am wenigsten konnte sie hoffen, ihren Mann zu einem Gange nach Werthern zu bereden. Der Tisch ward gedeckt, und eine gute Freundin, die nur etwas zu fragen kam, gleich gehen wollte — und blieb, machte die Unterhaltung bei Tische erträglich; man zwang sich, man redete, man erzählte, man vergaß sich."},{"id":"id21:196","kind":"paragraph","text":"Der Knabe kam mit den Pistolen zu Werthern, der sie ihm mit Entzücken abnahm, als er hörte, Lotte habe sie ihm gegeben. Er ließ sich Brot und Wein bringen, hieß den Knaben zu Tische gehen und setzte sich nieder, zu schreiben."},{"id":"id21:197","kind":"paragraph","text":"«Sie sind durch deine Hände gegangen, du hast den Staub davon geputzt, ich küsse sie tausendmal, du hast sie berührt! Und du, Geist des Himmels, begünstigst meinen Entschluß, und du, Lotte, reichst mir das Werkzeug, du, von deren Händen ich den Tod zu empfangen wünschte, und ach! Nun empfange. O ich habe meinen Jungen ausgefragt. Du zittertest, als du sie ihm reichtest, du sagtest kein Lebewohl! — wehe! Wehe! Kein Lebewohl! — solltest du dein Herz für mich verschlossen haben, um des Augenblicks willen, der mich ewig an dich befestigte? Lotte, kein Jahrtausend vermag den Eindruck auszulöschen! Und ich fühle es, du kannst den nicht hassen, der so für dich glüht»."},{"id":"id21:198","kind":"paragraph","text":"Nach Tische hieß er den Knaben alles vollends einpacken, zerriß viele Papiere, ging aus und brachte noch kleine Schulden in Ordnung. Er kam wieder nach Hause, ging wieder aus vors Tor, ungeachtet des Regens, in den gräflichen Garten, schweifte weiter in der Gegend umher und kam mit anbrechender Nacht zurück und schrieb."},{"id":"id21:199","kind":"paragraph","text":"«Wilhelm, ich habe zum letzten Male Feld und Wald und den Himmel gesehen. Leb wohl auch du! Liebe Mutter, verzeiht mir! Tröste sie, Wilhelm! Gott segne euch! Meine Sachen sind alle in Ordnung. Lebt wohl! Wir sehen uns wieder und freudiger»."},{"id":"id21:200","kind":"paragraph","text":"«Ich habe dir übel gelohnt, Albert, und du vergibst mir. Ich habe den Frieden deines Hauses gestört, ich habe Mißtrauen zwischen euch gebracht. Lebe wohl! Ich will es enden. O daß ihr glücklich wäret durch meinen Tod! Albert! Albert! Mache den Engel glücklich! Und so wohne Gottes Segen über dir?»"},{"id":"id21:201","kind":"paragraph","text":"Er kannte den Abend noch viel in seinen Papieren, zerriß vieles und warf es in den Ofen, versiegelte einige Päcke mit den Adressen an Wilhelm. Sie enthielten kleine Aufsätze, abgerissene Gedanken, deren ich verschiedene gesehen habe; und nachdem er um zehn Uhr Feuer hatte nachlegen und sich eine Flasche Wein geben lassen, schickte er den Bedienten, dessen Kammer wie auch die Schlafzimmer der Hausleute weit hinten hinaus waren, zu Bette, der sich dann in seinen Kleidern niederlegte, um frühe bei der Hand zu sein; denn sein Herr hatte gesagt, die Postpferde würden vor sechse vors Haus kommen."},{"id":"id21:202","kind":"paragraph","text":"Nach Eilfe"},{"id":"id21:203","kind":"paragraph","text":"Alles ist so still um mich her, und so ruhig meine Seele. Ich danke dir, Gott, der du diesen letzten Augenblicken diese Wärme, diese Kraft schenkest."}],"toc":[{"id":"id25:0:1","label":"Annotation","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id24:0:1","label":"Johann Wolfgang Goethe Die Leiden des jungen Werther","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id23:0:1","label":"Erstes Buch","page":1,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T#reader-content"},{"id":"id22:0:16","label":"Zweites Buch","page":16,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=16#reader-content"},{"id":"id21:0:20","label":"Zur Nachricht","page":20,"pageUrl":"/books/3FVqAA3T?page=20#reader-content"}]},"similarBooks":[{"idCatalog":186027,"shortId":"34aNnYdh","title":"Триумфальная арка","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Михаил Львович Рудницкий","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8f2187be-a441-11e7-a9a5-0cc47a5453d6/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/34aNnYdh"},{"idCatalog":7883,"shortId":"1X1cCKnN","title":"Крестный отец","authorLine":"Марио Пьюзо, Мария Иосифовна Кан","primaryAuthorId":"f652f6c4-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/4a1f6a32-4a51-11e5-87ef-0025905a06ea/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1X1cCKnN"},{"idCatalog":95060,"shortId":"4IFEBf1G","title":"Цитадель","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Мария Ефимовна Абкина","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/4B151CA9-0571-4AE4-B235-D73F50F33D46/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/4IFEBf1G"},{"idCatalog":13186,"shortId":"3WgeijkS","title":"Замок Броуди","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Мария Ефимовна Абкина","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/db4e8919-f876-4733-9623-94fbd24087bb/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/3WgeijkS"},{"idCatalog":355251,"shortId":"2j5m32oj","title":"Сага о Форсайтах","authorLine":"Джон Голсуорси, Наталья Альбертовна Волжина, Мария Павловна Богословская, Мария Федоровна Лорие","primaryAuthorId":"8d817d86-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/cc40f15d-dcbc-11ea-81b5-0cc47a5f137d/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/2j5m32oj"},{"idCatalog":265186,"shortId":"1SsD5BbE","title":"Три любви","authorLine":"Арчибальд Джозеф Кронин, Ирина В. Иванченко","primaryAuthorId":"d4ac1332-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/90bf5c4f-3c73-11e9-82ee-0cc47a5203ba/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1SsD5BbE"},{"idCatalog":8567,"shortId":"0QiXuCTJ","title":"Искра жизни","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Михаил Львович Рудницкий","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/ce60f2e2-f1c4-4aa2-9069-ae799bd18343/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/0QiXuCTJ"},{"idCatalog":209584,"shortId":"3ATHSpf4","title":"Три товарища","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Юрий Иванович Архипов","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8ec7a6b9-453c-11e8-b51e-0cc47a520424/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/3ATHSpf4"},{"idCatalog":22429,"shortId":"1JG7Ok4p","title":"Острие бритвы","authorLine":"Сомерсет Моэм, Мария Федоровна Лорие","primaryAuthorId":"c5bc9047-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/026dde1c-3ed9-4af6-960f-ee6598ef8e72/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/1JG7Ok4p"},{"idCatalog":110039,"shortId":"25xOnAgD","title":"Богач, бедняк","authorLine":"Ирвин Шоу, Ида Ивановна Басавина","primaryAuthorId":"3c51ba15-2a82-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/0ff4b5eb-2fce-11e5-9edc-002590591ed2/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/25xOnAgD"},{"idCatalog":189358,"shortId":"099YZVYm","title":"Ночь в Лиссабоне","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Нина Николаевна Федорова","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/683911ca-bfbf-11e7-8fe4-0cc47a5453d6/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/099YZVYm"},{"idCatalog":210345,"shortId":"4eTaM2cx","title":"На Западном фронте без перемен","authorLine":"Эрих Мария Ремарк, Нина Николаевна Федорова","primaryAuthorId":"5b4f5fdd-2a81-102a-9ae1-2dfe723fe7c7","coverUrl":"https://storage.yandexcloud.net/bookra-catalog-litres-public/content/8e34727f-4c68-11e8-a5c8-0cc47a1952f2/thumbs/400.webp","publicUrl":"https://bookra.app/books/4eTaM2cx"}],"similarBooksPagination":{"page":1,"pageSize":12,"totalItems":4251,"totalPages":355,"hasPrev":false,"hasNext":true}},"notFound":false}